Erfolgsteam Vegas Golden Knights

Die Vegas Golden Knights gelten als Shootingatars am NHL-Himmel. Die Mannschaft erlebte nach ihrer Gründung am 22. Juni 2016 eine fantastische erste Saison. Rekorde säumten dabei ihren Weg - völlig unerwartet und umso staunenswerter.

Die US-amerikanische Franchise stammt aus Paradise in Nevada, einer Stadt, die in direkter Nachbarschaft zu Las Vegas liegt. Ganz folgerichtig trägt das Team auch seine Heimspiele in der erst 2016 eröffneten T-Mobile-Arena auf dem berühmten Las Vegas Strip aus, doch diese prominente Lage allein macht gewiss noch keine Erfolgsmannschaft aus. Das Geheimnis muss bei den Sportlern selbst liegen, die vom ersten Tag an zur Höchstform aufliefen, denn goldenen Boden gibt es im Eishockey nicht.

Die Zusammenstellung hochkarätiger Player gelang gleich im ersten Anlauf, weil die Regularien des Expansion Drafts sich aus der Sicht frisch erstellter Teams deutlich verbessert haben. Die etablierten Mannschaften dürfen heute nur eine kleine Auswahl ihrer Spieler schützen, sodass die Golden Knights mit entsprechend guter finanzieller Polsterung den Rahm abschöpfen konnten.

Auch der Cheftrainer Gerard Gallant trug ganz gewiss sein Scherflein dazu bei, dass die Gold-Grau-Rot-Schwarzen aus der Wüste regelmäßig zur Höchstform aufliefen. Sein Rezept: hohes Tempo und intensives Forechecking im Verbund mit einem soliden Teamgeist. Da es trotz qualitativer Besetzung keine echten Stars unter den goldenen Rittern gibt, ist der enge Verbund umso wichtiger und bietet offensichtlich kein leeres Versprechen auf Erfolg.

Wie kam das Wüstenwunder überhaupt zustande? Es formte sich keineswegs durch puren Zufall, sondern es wurde von zahlreichen lokalen Persönlichkeiten über mehrere Jahre hinweg vorangetrieben. Einer von den Ideengebern: Poker-Ass Daniel Negreanu, geboren in Kanada, der zu jener Zeit bereits in Las Vegas lebte und nicht auf seine vertraute NHL-Action verzichten wollte.

Er nutzte seinen hohen Bekanntheitsgrad, um das gewagte Unternehmen nach Kräften zu fördern. Der Name des neuen Teams wurde jedoch erst im November nach der Gründung bekanntgegeben, und auch die Mannschaftsfarben und das Logo blieben vier Monate lang unbekannt. Mit der Bestätigung der genannten offiziellen Merkmale durch den Hauptanteilseigner Bill Foley fiel dann der schlussendliche Startschuss.

Natürlich heißt die bekannteste Stadt des Bundesstaats Nevada nicht Vegas, sondern Las Vegas. Die Entscheidung fiel jedoch für den Namen Vegas Golden Knights, weil die Einheimischen ihre Glamour-Metropole stets in der Kurzform nennen: Das schafft Nähe zwischen Team und Bevölkerung.

Der erste Spieler, der bei den goldenen Rittern unter Vertrag ging, war Reid Duke aus Kanada, der vorher bei den Brandon Wheat Kings spielte. Bald darauf gesellten sich Tomas Hyka und Wadim Schipatschow hinzu, dann folgten der Expansion Draft und einige Transfers zur Vervollständigung der Mannschaft.

Die Fachpresse verhielt sich zunächst skeptisch, obwohl das Entstehen eines echten Las-Vegas-Teams grundsätzlich positiv gesehen wurde. Doch herrschte die Meinung, dass es noch einige Jahre bis zu den ersten echten Erfolgen dauern würde.

Die Vegas Golden Knights eröffneten ihre Karriere allerdings gleich mit einem 2:1-Sieg gegen die Dallas Stars: Das hatte es seit 1992 nicht mehr gegeben, als die Ottawa Senators ihren Start in die Liga mit einem Durchmarsch zelebrierten. Insgesamt gewannen die Wüstenritter sechs von sieben ihrer ersten Spiele. Obwohl in enger Folge die Torhüter ausfielen und am Ende sogar aus der Juniorenliga Ersatz beschafft werden musste, ebbte die Erfolgswelle nicht ab.

Schipatschow, einer der teuersten Spieler, wandte dem Team schon früh den Rücken zu, um in seine Heimat Russland zurückzukehren. Es war ihm einfach nicht gelungen, bei den Vegas Golden Knights Fuß zu fassen. Auch dieser Stolperstein konnte die Mannschaft nicht stoppen, am Ende der ersten NHL-Spielzeit belegte sie den vordersten Platz ihrer Division.

Zwischenzeitlich führte das Team sogar die NHL an, zum Ende der Saison kam immerhin noch ein ansehnlicher fünfter Platz heraus. Mit 109 Punkten und insgesamt 51 Siegen gab es mehr als genug Grund zum Feiern, schließlich waren auch diese Werte absolut rekordverdächtig.

Der Weg im Play-off stand somit weit offen – und führte bis ins Endspiel des berühmten Stanley Cups. Dort wartete dann die 1:4-Niederlage gegen die Washington Capitals, was sicherlich bei all den angehäuften Erfolgen keinen echten Minuspunkt darstellt.

Sowohl der General Manager als auch der Cheftrainer der Vegas Golden Knights durfte sich nach dieser beeindruckenden Debütsaison über einen NHL-Award freuen. Sie galten beide als Persönlichkeiten des Jahres, während der Schwede William Karlsson für seinen hohen sportlichen Standard und der Kanadier Deryk Engelland für seine erstklassigen Führungsqualitäten geehrt wurde.

Insgesamt eine Story, die sich wie ein echtes Eishockeymärchen liest – entsprechend dürften sich auch die Protagonisten fühlen.