Zum Auftakt gegen einen Favoriten

Sonntag, 20 Uhr, Eissportzentrum Wien-Kagran: Erstes Heimspiel für eine österreichische U20-Nationalmannschaft seit Dezember 2001. Mit Lettland wartet einer der beiden Turnierfavoriten. Was kann man von diesem Spiel und dem Turnier erwarten?

Nach zwei 5:2-Siegen in den Testspielen gegen Ungarn und der Übersiedlung von St. Pölten nach Wien tickt der Countdown schnell herunter, das erste Heimspiel bei einer IIHF U20 Weltmeisterschaft seit dem 1:7 im Finale der B-Gruppe in Kapfenberg gegen Deutschland steht vor der Tür.

Und für die Truppe von Roger Bader (in seiner zweiten WM nach dem vorjährigen fünften Platz in Asiago) steht mit Lettland gleich ein dicker Brocken an: Die Truppe gilt neben Deutschland als Favorit für den Aufstieg.

Beim Testturnier im weißrussischen Grodno gewannen die Letten noch mit 3:1, doch natürlich sehen beide Teams jetzt anders aus. Neben zehn Spielern aus der Heimat stehen unter anderem sieben Übersee-Legionäre im lettischen Team, allerdings nur zwei davon aus der CHL.

Als einziges Team des Turniers bringen die Letten allerdings gleich drei gedraftete Spieler mit: Verteidiger Karlis Cukste (Chicago Steel) und Stürmer Rudolfs Balcars (Stavanger Oilers) wurden von den San Jose Sharks im letzten Juni gezogen, Flügel Martins Dziekals (Rouyn-Noranda, QMJHL) von den Toronto Maple Leafs in der dritten Runde.

Balcers ist nicht nur ein Stammspieler bei den Norwegern, sondern mit zwölf Toren in 23 Spielen auch ein offensiver Topspieler. Die 49 angereisten Scouts werden auch den baumlangen Defender Kristians Rubins genau beäugen, der Schweden-Legionär wurde (wie Deutschlands Tobias Eder) nach einer Schulterverletzung gerade noch für das Turnier fit.

Ein Punktegewinn wäre für Österreich ein toller Erfolg, allerdings liegen die Letten wie Deutschland und wohl auch Norwegen (Topspieler: Center Ludvig Hoff) in einer anderen Preisklasse als Italien und Aufsteiger Kasachstan. Teamchef Roger Bader sieht sein Team jedoch für die Weltmeisterschaft gerüstet: "Das Trainingslager in St. Pölten ist gut gelaufen, die Testspiele gegen einen etwas schwächeren Gegner haben auch ihren Zweck erfüllt."

Personell musste Bader in dieser Woche seine letzten Entscheidungen treffen. Vier Spieler standen ihm von Haus aus nicht zur Verfügung: Defender Dominic Hackls Handverletzung ist gut, aber eben nicht rechtzeitig verheilt, Ali Wukovits (Färjestads) laboriert schon seit längerem an einer Gehirnerschütterung. Dennis Teschauer (Innsbruck) zog sich bei seinem letzten Spiel mit Innsbruck eine Leistenverletzung zu.

Yannic Pilloni (Davos) sagte aus schulischen Gründen ab, steht aber dem U18-Team beim Kanada-Trip zur Jahreswende zur Verfügung. Nach den Testspielen schieden Goalie Dominic Divis (Linz), Verteidger Paul Szatecsny (Salzburg) sowie die nachnominierten Michael Kernberger (KAC), Christian Jennes (VSV), Stefan Trost (Kapfenberg) und Nikolaus Zierer (Graz) aus.

Bader entschied sich für acht Verteidiger ("Mit sieben habe ich immer Verletzungspech gehabt") und zwölf Angreifer. Bader setzt zumindest zu Turnierbeginn auf Ausglichenheit in seinen Linien: "Ich spreche da gerne von vier Triebwerken, bin auch kein Fan von kopflastigen Teams."

Wie sieht der Schweizer die Stärken und Schwächen seines Teams? "Wir sind körperlich nicht die größte Truppe, eisläuferisch sind wir aber gut drauf." Doch für ein gutes Abschneiden (Klassenerhalt oder gar der vierte Platz) müssen die Schlüsselspieler ihre Leistung abrufen: Goalie Stefan Müller geht als Einserbesetzung ins Turnier, in der Defensive sollten Bernd Wolf, Erik Kirchschläger und Daniel Jakubitzka die besten Puckmover sein, Lukas Birnbaum bringt als einziger Verteidiger Gardemaß mit.

Die prominentesten Namen stehen im Angriff: Mario Huber stand letzte Saison schon im A-Nationalteam, spielt heuer so wie Dominic Zwerger und Dario Winkler in der CHL. Lukas Haudum gehörte sowohl in der U18 als auch in der U20 immer zu den Dominatoren, Florian Baltram ist seit kurzem ein fixer Bestandteil bei Red Bull Salzburg, Stefan Gaffal hat genug Talent, um auf diesem Niveau regelmäßig zu punkten. Ein relativ neuer Name: Stefan Kittinger, der gebürtige Wiener spielt nach Jahren in Schweden heuer in Salzburg. "Echte" Lokalmatadore von den Capitals sind Benjamin Nissner und Felix Maxa.

Die vorläufigen Linien
Stefan Müller(Lugano)/Thomas Stroj (KAC)

Daniel Jakubitzka (Salzburg) - Erik Kirchschläger (Linz)
Ramon Schnetzer (Kloten) - Bernd Wolf (Bern)
Gerd Kragl (Linz) - Mathias Hagen (Davos)
Lukas Birnbaum (Salzburg) - Fabian Nußbaumer (Salzburg)

Dominic Zwerger (Spokane) - Florian Baltram (Salzburg) - Patrik Kittinger (Salzburg)
Lukas Haudum (Södertälje) - Dario Winkler (Everett) - Daniel Wachter (Salzburg)
Benjamin Nissner (Capitals) - Stefan Gaffal (Linz) - Mario Huber (Victoriaville)
Sam Antonitsch (Okanagan) - Felix Maxa (Capitals) - Alexander Lahoda (Salzburg)