Schiffauer als Gastreferent

Gemeinsamkeiten im Eishockey und Fußball aus Sicht der Schiedsrichter: Zu einer Schulung mit besonderem Programm lud das Schiedsrichterreferat Fußball für Schiedsrichter-Entwicklung in Linz.

Neben den Teilnehmern des Talente- und Sichtungskaders war das gesamte Schulungs- und Helferteam unter der Leitung von Didi Drabek dabei. Didi Drabek begrüßte als Special Guest den "Referee in Chief" des Österreichischen Eishockeyverbandes, Gerhard Schiffauer.

Zu Beginn erklärte Schiffauer den Teilnehmern die allgemeine Organisation und Struktur in der Erste Bank Eishockey Liga, bevor er auf die Gemeinsamkeiten von Eishockey und Fußball einging.

Seitens der Struktur ist wahrscheinlich besonders interessant, dass es bei den Eishockey-Beobachtungen kein Notensystem für die Schiedsrichter gibt, sondern nur einen Bogen. Die Entscheidungen über Qualifikationen und Aufstiege (Ziel der Eishockey-Schiedsrichter ist das Leiten der Spiele im Play-off) werden in den höchsten Gremien unter Beachtung aller wichtigen Kriterien unter der Leitung von Schiffauer getroffen.

#1: "Man braucht die richtigen Schiedsrichter für die richtigen Spiele."
Im Mittelpunkt der Schiedsrichterauswahl auf höchster Ebene dürften nicht regionale Aufteilungen der Schiedsrichter stehen (es gibt zum Beispiel acht ungarische Schiedsrichter in der Erste Bank Eishockey Liga, obwohl nur ein ungarischer Verein in dieser vertreten ist). Erst nachdem klar ist, welche Teams im Play-off spielen werden, wird auch die weitere Besetzung der Schiedsrichter diskutiert: Ziel ist es, für die jeweiligen Spiele, die richtigen Schiedsrichter zu besetzen – das bedeute aber nicht, dass das die besten Schiedsrichter der vergangenen Saison waren.

#2: "Die wahren Helden sind die Schiedsrichter in der Unterklasse. Ohne Basis würde es auch keine Spitze geben."
Hier zitierte Schiffauer aus dem Buch "Meine Regeln des Spiels" von Pierluigi Collina. Man dürfe nie vergessen – auch wenn man schon in höheren Ligen pfeift – dass es nur dann gute Schiedsrichter geben kann, wenn es eine starke Basisarbeit im Verband gibt.

#3: "In ein Seiterlglas kann man keine Halbe einfüllen."
Klingt banal, ist es auch, trifft aber zu. Es braucht im Schiedsrichterwesen wie in anderen Leistungssportarten natürlich auch das entsprechende Talent und Rüstzeug, um erfolgreich zu sein – auch wenn man vieles durch harte Arbeit trainieren und verbessern kann.

#4: "Wir Schiedsrichter sind das dritte Team am Eis."
Die Spieler dürfen nicht das Gefühl haben, es würden zwei Teams gegeneinander antreten und der Schiedsrichter ist halt auch dabei. Es muss klar signalisiert werden, dass mit den Schiedsrichtern ein weiteres Team am Feld steht, nur eben nicht mit dem Ziel, zu gewinnen, sondern das Spiel in geordneten Bahnen über die Bühne zu bringen. Schiedsrichter sind Teamplayer und keine Einzelkämpfer.

#5: "A moving puck is a moving friend."
Das Beste für einen Schiedsrichter ist ein laufendes Spiel. Deshalb sollte das Ziel sein, Unterbrechungen zu vermeiden, falls beide Mannschaften gewollt sind, ordentlich zu spielen. Wann entstehen die meisten herausfordernden Situationen für einen Schiedsrichter? Nur in den seltensten Fällen bei laufendem Spiel, sondern in den Unterbrechungen. Je mehr das Spiel läuft, umso ruhiger kann es für den Schiedsrichter sein.