Haudum hat sich in allen Bereichen verbessert

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller über die Entwicklung des ÖEHV-Youngsters.

Um Lukas Haudum auf den Schläger schauen zu können, bedarf es meist einer Reise nach Schweden, wo der ÖEHV-Youngster seinen Weg bei den Malmö Redhawks macht.

In der Champions Hockey League bot sich jedoch die Gelegenheit, den 20-Jährigen bei der Arbeit zu beobachten, als Malmö bei den Tschechen von Kometa Brno eine 4:5-Niederlage nach Overtime einsteckte.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und weiß Neues über die Entwicklung des Stürmers zu berichten.

Haudums Status in Malmö:

Lukas Haudum ist heuer einer von 14 Stürmern im Kader der Redhawks. Durch die Verletzungen von Rhett Rakhshani und Kim Rosdahl hat der Linzer derzeit einen Stammplatz inne. In Brünn kam er in der nominell vierten Linie zum Einsatz, durch Rakhshanis Fehlen auch im Powerplay.

Haudums Karriere in Schweden entwickelte sich bisher linear: Erst zwei Jahre in Södertälje in der U18 und U20, nach seinem Wechsel nach Malmö pendelte er in seiner ersten Saison zwischen der U20, dem Farm-Team IK Pantern sowie bereits der ersten Mannschaft.

Ohne Test-Partien kam er in der letzten Saison auf 69 Spiele. "Ziemlich viel", wie er selbst bemerkt. Nun ist er Fixbestandteil des ersten Teams, kommt wie so oft in seiner Karriere sowohl als Flügel als auch als Center zum Einsatz (wie etwa beim zweiten CHL-Aufeinandertreffen mit Brünn). Was bevorzugt er selbst? "Schon die Center-Position, aber defensiv ist der Flügel natürlich etwas einfacher zu spielen." Ein Qualitäts-Verlust ist auf keiner der Positionen festzustellen. 

Der Scouting Report, basierend auf den Spielen der letzten Jahre:

Haudum ist nicht extrem groß, aber kräftig. Er behauptet sich sehr gut in Zweikämpfen und an der Bande, spielt mit etwas "jam", Gegenspieler bemerken also seine Präsenz. Er steht stark auf den Eisen, geht fast nie zu Boden – hat sehr gute Balance und Kraft in den Beinen.

Er kann sich auf engem Raum behaupten, findet immer einen Weg zwischen den Gegenspielern und um sie herum. Die Beinarbeit hat sich verbessert, vor allem die ersten Schritte – er ist aber weiter kein "Speed Merchant". Bringt gute Mobilität und Agilität mit, kann sich durch Abwehrreihen fräsen.

Haudum ist sowohl ein guter Passgeber als auch Schütze: Er hat einen harten, genauen Handgelenks-Schuss, könnte aber öfters schießen und das Windup könnte noch etwas schneller sein. Er besitzt gute Übersicht und Spielintelligenz – weiß, wann er die Scheibe halten kann, hat aber auch schon das schnelle Puck-Movement der SHL verinnerlicht. Er spielt nur selten Pässe, die nicht aufgehen können – gutes "Puck Management".

Der ehemalige EHC Linz-Akteur kann im Powerplay mehrere Positionen einnehmen – in Brünn von der rechten Half Wall, von wo er Cross Ice Passes machte, im Juniorenbereich auch von der Blauen Linie. Defensiv willig und solide, ab und zu noch mit (verständlichen) Problemen im Coverage. Haudum ist ein Spieler mit keinen großen Schwächen, aber vielleicht auch nicht mit einem herausragenden Aspekt in seinem Spiel. Ein Team Player mit solidem Leistungslevel, Coaches müssen sich über ihn nicht den Kopf zerbrechen.

Die Vergangenheit und Zukunft

Haudum absolvierte zwei U18- und drei U20-Weltmeisterschaften, wo er vor allem durch seine Leistungskonstanz überzeugte. Bei drei dieser fünf WM-Turniere wurde er zum besten österreichischen Spieler gewählt.

An schlechte Spiele oder gar Turniere kann ich mich nicht erinnern, sein niedrigster Level war Durchschnitt. Er spielte jedenfalls schon früh ein Männerspiel, Junioren-Unarten wie zu langes Halten der Scheibe bzw. defensive Unwilligkeit waren bei ihm nie festzustellen. Im Gegensatz zu anderen talentierten Spielern, wie etwa Mario Huber oder Christof Kromp, wirkte sein Spiel immer klarer und zielbewusster, seine Leistungen wiesen eine geringe Schwankungsbreite auf. Kein Wunder, dass ihm der Übergang in das Senioren-Nationalteam ohne Probleme gelang, er gehört bereits jetzt zu den Leistungsträgern und Spielern, die Hoffnung auf Offensiv-Output geben.

Es wird interessant sein, ihn im Frühjahr bei seiner ersten A-WM zu sehen – wie sehr kann er in seinem ersten reinen Senioren-Jahr auf diesem Level schon Akzente setzen? Auf SHL-Niveau sollte er bald in den Top-9-Stürmern seines Teams gesetzt sein.

Wäre ein Wechsel nach Nordamerika (wurde 2014 von Mississauga in der OHL gedraftet) für seine Entwicklung besser gewesen?

Haudum, der mit Mississauga vor dem Draft nie Kontakt hatte: "Das kann man im Nachhinein nie wissen, aber ich bin auch so zufrieden." Auch ich bin mir nicht sicher – einerseits hätte er vielleicht etwas mehr Selbstvertrauen in seine Offensive bekommen, wenn er sich zu den Spitzenspielern in seinem Team entwickelt hätte. Andrerseits machte ihn die schwedische Hockey-Schule zu einem kompletten Paket, das beim Übergang zum Senioren-Eishockey nicht erst den defensiven Aspekt lernen muss.

Haudums Vertrag im Malmö läuft Ende der Saison aus. Eine Steigerung seines Offensiv-Outputs (nach neun Punkten in 21 Spielen letzte Saison heuer zwei Assists in sieben Spielen) wäre ein gutes Argument in den Vertragsgesprächen – gut vorstellbar aber, dass ohnehin beide Seiten an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert sind...

Teamchef Roger Bader über Haudum:

"Ich kenne ihn ja schon seit Jahren, habe ihn sehr früh ins U20-Team und dann zu den Senioren einberufen. Er hat über die Jahren in allen Bereichen zugelegt, sowohl läuferisch, physisch als auch technisch, hat aber gleichzeitig überall noch Reserven. Ich bemerke bei ihm bei jeder Zusammenkunft Fortschritte. Gut auch, dass ich ihn sowohl als Center als auch als Flügel einplanen kann. Als Mensch ist er sehr ruhig und bescheiden."