"Muss nicht um jeden Preis weiterspielen"

Für den ÖEHV-Star Thomas Vanek könnte die heurige Saison bereits die letzte sein.

Thomas Vanek ist mit den Vancouver Canucks nach dem ersten Saisonviertel mittendrin im Kampf um die Playoff-Plätze.

Eine Teilnahme an ebendiesen hätte für Österreichs NHL-Star in dieser Saison eine immense Bedeutung, könnte es schließlich bereits seine letzte sein.

"Ich weiß selbst, dass meine Karriere bald zu Ende ist. Es ist nicht so, dass ich jetzt noch um jeden Preis ein, zwei Saisonen spielen muss. Zum Saisonende setzen wir uns mit der Familie zusammen und werden beraten, wie es weitergeht", erklärt der mittlerweile 33-Jährige gegenüber der "Kleinen Zeitung".

Denn vor allem die Distanz und Trennung von seiner Frau und seinen drei Kindern sei, obwohl es ihm in Vancouver gefällt, für ihn "jetzt schon schwierig, obwohl erst das erste Saisonviertel vorüber ist."

Ein erneuter Wechsel nach Detroit zerschlug sich im Sommer: "Wir haben lange gewartet und alles auf eine Karte gesetzt. Doch die Red Wings hatten den Salary Cap erreicht."

Ein Poker, auf den er sich anno 2014 bei den New York Islanders, die ihm ein Angebot unterbreiteten, nicht einließ: "Es ist dort super gelaufen, das Team und die Organisation haben mir sehr gut gefallen. Aber es stand der Umzug nach Brooklyn (des Teams, Anm.) bevor und niemand wusste, wie, was, wo. Das war mir zu viel Ungewissheit", entgegnet der ÖEHV-Legionär auf die Frage, ob er die Entscheidung gegen einen langfristigen Isles-Vertrag bereut.

Sollte Vanek also nach dieser Spielzeit noch einen Vertrag unterschreiben, müsste seine Familie dabei sein und mitkommen: "Wenn, dann gehen wir alle."

Ausgeschlossen ist auch nicht, dass der 33-Jährige - aufgrund seines niedrig dotierten Einjahresvertrags - vor der Trading Deadline weitergegeben wird. "Es kann immer und schnell passieren. Wie damals in Buffalo. Und dann spielst du bei drei Klubs in einer Saison."

Nicht ganz glücklich mit neuer Rolle

Doch momentan heißt die Devise natürlich noch volle Konzentration auf die Canucks, bei denen sich der Grazer trotz limitierter Eiszeit schon mehrmals gut in Szene setzen konnte und in der teaminternen Scoringwertung mit 16 Scorerpunkten hinter der Top-Linie (Boeser, Horvat, Baertschi) auf Rang vier zu finden ist.

"Es ist eine neue Rolle. Natürlich würde ich gerne mehr spielen. Ich habe schon öfters erlebt, dass in einem Team jüngeren Spielern der Vorzug gegeben wird", zeigt sich Vanek nicht ganz glücklich mit dem ihm entgegengebrachten Vertrauen.

Gegen Michael Grabner und seine New York Rangers reichte es bei der 3:4-Niederlage n.P. beispielsweise nur für 13:28 Minuten am Eis, zudem wurde er in der Overtime nicht eingesetzt.

Roger Bader traf Vanek

13:28 Minuten, die übrigens auch von Teamchef Roger Bader beobachtet wurden, der seinen ÖEHV-Legionären in Nordamerika einen Besuch abstattete und das persönliche Gespräch mit jedem suchte.

Während Grabner und Michael Raffl ihre Bereitschaft im Mai für Österreich bei der A-WM in Dänemark aufzulaufen - ein Verpassen bzw. frühes Ausscheiden in den Playoffs vorausgesetzt - bereits signalisiert haben, ist dieses Thema bei Vanek noch in der Schwebe.

"Wenn die Situation passt, können wir über alles reden. Er wirkt sympathisch", schildert der ehemalige Erstrunden-Draftpick seine momentane Einstellung zu dieser Thematik. "Aber ich werde meine Meinung sagen, die ich schon seit 15 Jahren sage: Eishockey muss in Österreich bei der Jugend anfangen."

Vanek lief zuletzt bei den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 für die österreichische Auswahl auf. Und sollte er tatsächlich nach dieser Saison die Schuhe an den Nagel hängen, wäre eine Abschiedsgala in Rot-Weiß-Rot aus heimischer Sicht wohl ein wünschenswerter Abschluss.