Theresa Schafzahl: "Die Details machen den Unterschied"
Bei der WM in Dänemark debütiert das Frauen-Nationalteam in der Top-Division. Theresa Schafzahl über Teamgeist, Gina Kingsbury und ihre Führungsrolle.
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GEPA/Daniel GötzhaberÖEHV: Hinter dem Frauen-Nationalteam liegen intensive Monate. Wie ist die Stimmung in der Mannschaft?
Theresa Schafzahl: Viele Spielerinnen haben sich vor dem letzten Camp in Klagenfurt länger nicht gesehen, entsprechend groß war die Vorfreude. Im vergangenen Jahr haben wir als Gruppe Höhen und Tiefen erlebt, aus denen wir viel gelernt haben. Diesen Weg gemeinsam zu gehen, hat uns noch enger zusammengeschweißt.
Der ÖEHV hat mit Gina Kingsbury eine der erfahrensten Persönlichkeiten im internationalen Fraueneishockey als neue Sportdirektorin geholt. Wie ist dein Eindruck von ihr?
Gina kenne ich bereits ein wenig von ihrer Arbeit als Sportdirektorin in Toronto. Sie hat einen großen Namen und viel Erfahrung – das ist für uns sehr wertvoll. Für sie ist es keine einfache Situation: Sie ist in einem Land, das sie noch nicht gut kennt, und muss erst herausfinden, wie hier alles abläuft. Trotzdem funktioniert es schon jetzt sehr gut, und ich bin überzeugt, dass es noch besser wird. Auch die anderen Neuen im Trainerteam haben uns beeindruckt: Sie sind sympathisch, haben enorm viel Erfahrung und können diese gut vermitteln.
Du hast deinen Vertrag bei Seattle Torrent in der PWHL, der besten Liga der Welt, im Sommer um zwei Jahre verlängert. Wie hast du diesen Prozess erlebt?
Nach meinem Wechsel von Boston nach Seattle im Laufe der letzten Saison ist es sehr gut gelaufen, deshalb hatte ich natürlich gehofft, dass es mit der Verlängerung klappt. Durch die Erweiterung der Liga um vier Teams hatten wir Spielerinnen mehr Verhandlungsspielraum, und als Free Agent standen mir viele Türen offen. Gerade diese Freiheit macht die Entscheidung aber schwierig, weil es so viele Unbekannte gibt. Umso schöner ist es, dass jetzt alles fixiert ist und ich mich auf andere Dinge konzentrieren kann.
Ganz allgemein gefragt: Unterscheidet sich die Chemie in einem Verein von jener im Nationalteam?
Das hängt stark vom Verein ab. In Nordamerika setzt sich die Mannschaft jedes Jahr neu zusammen, während in Europa viele Spielerinnen über lange Zeit gemeinsam spielen. Im Nationalteam kennen wir uns teilweise seit vielen Jahren. Wir haben zwar viele junge Spielerinnen im Kader, doch die meisten Gleichaltrigen spielen schon ewig miteinander, und auch viele der Jüngeren sind bereits einige Jahre dabei. Diese Vertrautheit ist etwas Besonderes, das es in Nordamerika so nicht gibt.
Du giltst mit 26 Jahren als eine der Führungsspielerinnen im Team. Wie legst du diese Rolle an?
Ich möchte auf dem Eis mit gutem Beispiel vorangehen – gerade jetzt in der Top-Division, wo ein ganz anderes Eishockey gespielt wird, als wir es gewohnt sind. In Nordamerika habe ich gelernt, in jedem Training mit hoher Intensität zu spielen und auf jedes Detail zu achten. Das möchte ich in die Mannschaft einbringen, damit wir als Team unser Niveau heben und die kleinen Details besser machen. Auf diesem Niveau entscheiden nämlich genau sie.
Du hast den Unterschied zwischen der Top-Division und der Division IA bereits angedeutet. Was erwartet das Team bei der WM?
Der Sprung ist enorm – wobei es auch innerhalb der Top-Division große Leistungsunterschiede gibt. Der Abstand zwischen den USA und Teams wie Deutschland oder Japan ist vielleicht sogar größer als jener zwischen diesen Teams und der Division IA. Ganz allgemein ist das Spiel schneller, direkter und körperbetonter. Die Regeln sind zwar dieselben, aber die meisten Spielerinnen der Top-Division sind in Schweden oder Nordamerika engagiert, wo Körperspiel erlaubt ist. Ich gehe deshalb davon aus, dass die Unparteiischen bei der WM mehr laufen lassen. Dazu kommt die Breite im Kader: In der Division IA haben die Teams meist ein, zwei starke Linien, während die übrigen vor allem defensiv arbeiten. Bei Tschechien oder den USA kann jede Linie ein Spiel entscheiden.
Gibt es einen Moment bei der WM, auf den du dich besonders freust?
Das mag ungewöhnlich klingen, aber: auf die neuen Dressen. Die Teams in der Top-Division bekommen Trikots, die besser aussehen und hochwertiger sind. Ich freue mich auf den Moment, wenn wir sie beim ersten Spiel gemeinsam überstreifen – da werden wir richtig professionell ausschauen.
Auf welchen Gegner freust du dich am meisten?
Definitiv auf das Spiel gegen die USA. Sie sind derzeit mit Abstand die stärkste Mannschaft der Welt, uns erwartet also eine extrem schwierige Aufgabe auf einem ganz anderen Niveau. Umso mehr freue ich mich darauf – zumal ich inzwischen einige ihrer Spielerinnen persönlich kenne.
Zum Abschluss: Wie schätzt du die Chancen des Teams ein, und welche Ziele setzt ihr euch für die WM?
Natürlich wollen wir ins Viertelfinale, und das sollten wir uns auch als Ziel setzen. Unsere Gruppe ist stark, etwa mit Deutschland oder der Schweiz, die zuletzt sehr gut performt und bei Olympia Bronze geholt hat. Ein vierter Platz in der Gruppe ist aber keineswegs unmöglich und sollte unser erstes Ziel sein. Gelingt der Sprung ins Viertelfinale nicht, geht es darum, die Klasse zu halten.


