Roger Bader: "Wollen unsere Identität auf dem Eis zeigen"
Dass nach der besten A-WM 2025 in Stockholm dieses Jahr in der Schweiz die zweitbeste der letzten 20 Jahre folgte, ist kein Zufall: Teamchef Roger Bader über die jahrelange Entwicklung des Nationalteams, den gereiften Spielstil und die jungen Wilden im Ausland.
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GEPA/Kevin HacknerPOWERPLAY: Ein Rückblick: Im Mai schafften es die ÖEHV-Herren in der Schweiz zum fünften Mal in Folge, bei einer A-Weltmeisterschaft die Klasse zu halten. Wie fällt dein Fazit mit etwas Abstand aus?
Roger Bader: In der Gesamtbetrachtung war es eine sehr erfolgreiche WM – die zweitbeste der letzten 20 Jahre. Zudem war es ein schönes Bild, dass wir nach drei Spielen mit neun Punkten von der Tabellenspitze lachten und die Schweiz sowie Finnland hinter uns lagen. Leider ist uns anschließend der vierte Sieg nicht gelungen, sodass wir diesmal nicht ins Viertelfinale einziehen konnten. Nichtsdestotrotz können wir mit dem Erreichten sehr zufrieden sein.
Eine so erfolgreiche WM ist nur mit einem starken Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft möglich. Was zeichnet das aktuelle Team aus?
Bader: Seit unserer Rückkehr zur A-Weltmeisterschaft im Jahr 2022 hat sich etwas entwickelt. Ein entscheidender Moment war 2023, als wir in Tampere den Klassenerhalt erst im Penalty-Schießen im Entscheidungsspiel sichern konnten. Danach haben wir unsere Schlüsse gezogen, einige Dinge nachgeschärft und hatten bei den letzten drei Weltmeisterschaften jedes Mal die Möglichkeit, im letzten Gruppenspiel das Viertelfinale zu erreichen – ein toller Erfolg.
Insgesamt kann man sagen, dass sich die Mannschaft Jahr für Jahr weiterentwickelt hat.
Wie drückt sich diese Entwicklung in der Spielweise aus?
Bader: Ich glaube, wir spielen inzwischen mit einer guten Balance aus Forechecking und Mittelzonen-Trap. Zudem wollen wir schnelles Eishockey spielen. Wir können den Puck zwar in den eigenen Reihen halten, aber das oberste Ziel ist es, schnell umzuschalten. Diesen Stil haben wir über Jahre hinweg weiterentwickelt und versuchen, damit erfolgreich zu sein. Dabei macht es keinen Unterschied, ob wir gegen Kanada oder Großbritannien spielen. Wir wollen immer unsere eigene Identität auf dem Eis zeigen.
Zu den jüngsten Erfolgen haben sicherlich auch die jungen Spieler wie beispielsweise Gregor Biber, Leon Kolarik oder David Reinbacher beigetragen. Wie empfindest du ihre Entwicklung?
Bader: Um diese Frage zu beantworten, muss ich etwas ausholen: Derzeit haben wir im Nationalteam drei Altersblöcke. Zunächst gibt es den Jahrgang 1996/1997, den ich bereits im Nachwuchs trainiert habe und der seit Jahren wichtige Stützen in der Mannschaft liefert. Außerdem gibt es einige junggebliebene Routiniers wie Kapitän Peter Schneider oder Clemens Unterweger, die der Mannschaft mit ihrer Erfahrung Führung geben.
Und natürlich die "jungen Wilden", die du gerade angesprochen hast. Sie haben sich schon früh für den Schritt ins Ausland entschieden, was ich als sehr positiv sehe. Dort spielen sie in besseren Ligen und haben mehr Konkurrenz, was einen enormen Entwicklungsschritt bei ihnen ausgelöst hat. Außerdem gibt es der Persönlichkeitsentwicklung der Jungs einen enormen Schub, wenn sie weg von der Heimat selbstständig werden müssen. All das hat die Spieler besser gemacht, wovon wir als Nationalteam profitieren.
Jetzt geht es für dich und das Team weiter in Düsseldorf, wo von 5. – 8. November der Deutschland-Cup stattfindet. Welche Erwartungen hast du an dieses Turnier?
Bader: Mit der Nationalmannschaft haben wir aktuell zwei Länderspielpausen während der Saison. Zunächst im November mit dem Deutschland-Cup, bei dem ich darauf achte, dass der Kader möglichst ähnlich dem der WM ist. Im Februar spielen wir dann in Oslo. Dort versuche ich, einige Herausforderer und junge Spieler mit Potenzial einzuladen, um zu sehen, wer sich für die unmittelbare WM-Vorbereitung empfiehlt. Dementsprechend ist es mein Ziel beim anstehenden Deutschland-Cup, dass alle in Europa spielenden Nationalspieler dabei sind und wir dort mit breiter Brust auftreten. Mit Lettland, der Slowakei und Deutschland warten drei Nationen auf uns, die im Ranking vor uns stehen. Nichtsdestotrotz wollen wir dort einen Sieg, am besten sogar zwei oder drei, holen.
Das größere Turnier in Deutschland findet dann natürlich im Mai statt, wo wir in der WM-Gruppenphase in Mannheim auf Gastgeber Deutschland, Finnland, Ukraine, Schweden, Slowenien, Schweiz und Lettland treffen. Wie schätzt du die Gruppe ein?
Bader: Ich denke, die Gruppe ist mit der von der WM in der Schweiz vergleichbar. Bei Gastgeber Deutschland kann man davon ausgehen, dass sie mit einem starken Kader auftreten werden. Auch von der Schweiz erwarte ich nichts anderes. Gegen Schweden, Finnland und Lettland haben wir in der Regel gut performt. Zunächst geht es für uns aber darum, Slowenien und die Ukraine zu schlagen.
Du sprichst es bereits an. Aber was soll das konkrete Ziel für die kommende WM sein?
Bader: Da ändert sich wenig: Wir müssen möglichst schnell sechs Punkte holen. Dann hast du den Klassenerhalt sicher und kannst gut planen. Solange wir diese Marke nicht erreicht haben, werden wir von nichts anderem sprechen. Anschließend geht es darum, von Spiel zu Spiel zu schauen und unsere Ziele laufend anzupassen wie beispielsweise den dritten Sieg zu holen. Mit drei Siegen vor dem letzten Spiel hast du dir ein Endspiel erarbeitet. Sollten wir uns in dieser Situation befinden, wollen wir natürlich auch unter die besten acht kommen, aber damit beschäftigen wir uns erst, wenn es soweit ist.
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