Kurt Harand ist Headcoach des YOG 2012 Teams

Kurt Harand wird als Headcoach die österreichische Auswahl bei den ersten Jugend Olympischen Spielen 2012 in Innsbruck betreuen. Darüber hinaus bleibt er weiterhin Co-Trainer von Bill Gilligan im Seniorenteam.

Nach den ersten Olympischen Jugend-Sommerspielen in Singapur (14. bis 26. August 2010), finden von 13. bis 22. Jänner 2012 die ersten Olympischen Jugend-Winterspiele in Innsbruck und Seefeld statt. Nach der größten Zustimmung für einen Austragungsort in der Geschichte des Internationalen Olympischen Komitees (84:15) wird Tirols Landeshauptstadt nach 1964 und 1976 damit als bisher einzige Stadt in der Geschichte der Olympischen Bewegung zum dritten Mal zur Olympischen Host City.

Als Veranstalterland wird Österreich auch im Eishockey vertreten sein und zwar als einzige Nation bei den Damen und Herren. Als Headcoach der Burschen wird Kurt Harand fungieren. Für den ehemalige Teamspieler und aktuelle Assistent Coach im Seniorennationalteam hat diese Aufgabe schon begonnen. „Es gibt einen Pool von rund 35 Spielern aus dem Jahrgang 1996 mit dem wir auf die Youth Olympic Games (YOG) hinarbeiten. So ein Großereignis ist natürlich immer etwas Besonders, weswegen wir uns auch so gut es geht darauf vorbereiten“, erklärt Harand.

Bis zum Beginn der YOG 2012 wird die Mannschaft an mehreren sportlich hochwertigen Turnieren und auch Trainingslager mit dem gesamten 35-Mann Kader absolvieren. Darüber hinaus wird die Mannschaft auch sportmedizinisch begleitet und betreut, um sich in Innsbruck von ihrer besten Seite präsentieren zu können.

YOG Team im internationalen Rampenlicht

Neben der sportlichen Herausforderung, sich bei den Jugend Olympischen Spielen mit den besten Nationen der Welt messen zu können, ist dieser Großevent aber natürlich auch eine Bühne für die Sportnation Österreich. „Wir wollen diesen Anlass auch dazu nützen, um durch das zusätzliche öffentliche Interesse positive Impulse für den Eishockeysport zu setzen“, so Harand, der ab sofort in einer Doppelfunktion für den Österreichischen Eishockeyverband arbeitet. Er wird weiterhin als Assistent von Bill Gilligan beim Nationalteam arbeiten und so eine Schnittstelle zwischen Senioren und dem Nachwuchs fungieren. „Ich genieße das volle Vertrauen von Bill Gilligan und sehe mich auch als eine Schnittstelle zum Nachwuchs“, so Harand, der diese Konstellation als überaus positiv bewertet. „Vielleicht kann diese Verflechtung von Kampfmannschaft und Junioren als eine Art Vorbild für die Zukunft dienen. Es gibt so einen ständigen Dialog und wir können die Teamspieler von morgen noch besser auf die Zukunft vorbereiten.“

„Mit Headcoach Harand hat ein erfahrener österreichischer Spieler die sportliche Verantwortung übernommen. Wobei wir mit Harald Pschernig und Wolfgang Hagen noch zwei weitere Assistenten dem Team zur Verfügung stellen. Wir wollen damit auch die Bedeutung der Youth Olympics für unseren Eishockeysport unter Beweis stellen“, erklärt der Präsident des ÖEHV, Dr. Dieter Kalt.   
 
Herr Harand, 2012 stehen die ersten olympischen Winterjugendspiele in Innsbruck auf dem Programm und sie als Trainer der Burschenmannschaft hinter der Bande.  Freuen sie sich schon darauf?

Absolut. Ich finde es super, dass wir die Chance bekommen die ersten Jugendspiele gleich in Österreich zu veranstalten. Das ist nicht nur für unser Eishockey sehr gut, sondern für den gesamten österreichischen Sport. Jede Veranstaltung, jedes Event, bei dem man sich wirklich mit den weltbesten Ländern messen kann, kann dich einfach nur einen Schritt weiter bringen. So gesehen ist das Ganze äußerst positiv.

Sie haben im Sommer ihr Amt als Trainer angetreten. Was darf man sich von den österreichischen Eishockeyteams in Innsbruck erwarten?
Wenn man vom momentanen World Ranking ausgeht, dann treffen wir auf Nationen wie Kanada, Russland und  Schweden. Gegen solche Gegner darf man sich keine Wunderdinge erwarten. Wir haben jetzt eineinhalb Jahre Zeit, also bis Jänner 2012, um uns darauf bestmöglich vorzubereiten. Im Moment haben wir einen Kader von 30 Feldspielern plus fünf Torhüter. Unsere Aufgabe wird es jetzt sein, die Besten für diese Aufgabe zu finden. Ich bin mir sicher, dass wir jede Menge positive Erfahrungen aus dem Turnier und auch aus der Vorbereitung ziehen können.

Was erhoffen sie sich in weiterer Folge durch dieses Event?

Bei den YOG dabei zu sein ist schon eine tolle Sache. Ich erhoffe mir aufgrund dieses Events aber auch einen positiven Impuls für die Zukunft, der dafür sorgt auch weitere Turniere dieser Art in Österreich auszutragen und so auch weiterhin den jungen Spielern Vergleiche auf dem höchstmöglichen Niveau zu garantieren. Davon können wir nur profitieren.  Ich würde es auch gut finden wenn man solche Turniere und Aufbauprogramme auch bei den jüngeren Jahrgängen durchführen könnte. Je weiter unten man mit gezielter Arbeit ansetzt, desto mehr wird man in Zukunft davon profitieren.

Woran haben Sie dabei gedacht?

Was ich mir wünschen würde ist, dass vor allem in den Jahrgängen der  Acht-, Neun-, Zehn-, Zwölfjährigen im technischen Bereich mehr gearbeitet wird. Das bedeutet, dass man da bereits ein gezieltes Trainingsprogramm im Bereich Eislaufen, Passen, Stocktechnik und Schießen beginnen sollte. Wir hätten dadurch in weiterer Folge einen größeren Spielerpool aus dem wir auswählen könnten. Jetzt gibt es fünf, sechs gute Spieler pro Jahr, das Ziel sollte aber sein, 30 – 40 pro  Jahr sein.

Glauben Sie, dass die olympischen Jugendspiele den letzten Anstoß dazu geben werden, die Nachwuchsarbeit zum erklärten Ziel in Österreich zu machen?
Ja, ich hoffe schon. Wissen tut es ja fast jeder, dass kein Weg daran vorbeiführt. Es wird auch immer wieder gesagt wie wichtig das ist, in der Nachwuchsarbeit gut zusammen zu arbeiten. Bislang verlief dieser Prozess leider nur schleppend. Ich glaube aber, dass schon im Vorfeld der YOG eine Art Aufbruchsstimmung vermittelt wird, die alle positiv beeinflussen kann. Ich denke, dass die Jugendolympiade durchaus einen so positiven Einfluss auf die Nachwuchsarbeit haben kann, dass wir dort den nächsten Entwicklungsschritt machen können.

Wie beurteilen sie im Moment das Niveau der österreichischen Nachwuchscracks?
Es sind zweifelsohne immer wieder sehr gute Spieler dabei, aber es sind halt leider immer noch zu wenige. Darauf müssen unsere zukünftigen Konzepte abzielen, eine breitere Basis zu schaffen um aus einem größeren Spielerpool egal welcher Alterklasse schöpfen zu können. Die jetzt für die YOG 2012 initiierten Konzepte sind auf jeden Fall sehr gut. Wenn es uns gelingt auf allen Ebenen so zu arbeiten wäre das eine sehr erfreuliche Entwicklung, die mit Sicherheit in ein paar Jahren spürbar wäre.

Was ist ihrer Meinung nach noch nötig um diesen Prozess der Verbesserungen in Gang zu bekommen?
Es geht eigentlich nur miteinander. Wenn man weiter nach vorne will müssen Liga, Verband und Vereine künftig als Einheit auftreten. Vielleicht hilft uns der olympische Geist der YOG um diesen Prozess in Gang zu bekommen damit wir, die Verantwortlichen uns in Zukunft besser miteinander austauschen. Ich würde es mir jedenfalls wünschen.

Interview: Markus Paulitsch