Allein unter Männern

Am Dienstag leitete Bettina Angerer bereits das fünfte Spiel als Linienrichterin in der Erste Bank Eishockey Liga. Die Steirerin fühlt sich in der Männerdomäne pudelwohl und hat ein großes Ziel vor Augen.

Eigentlich wollte Bettina Angerer Eishockeyspielerin werden, als sie im zarten Alter von acht Jahren zum ersten Mal mit einer reinen Burschenmannschaft am Eis stand. Mit zwölf wechselte die gebürtige Leobenerin in ein Damenteam und auch Einsätze in der österreichischen Nationalmannschaft der Damen folgten.

"Mit 18 habe ich für mich aber entschieden, dass ich im internationalen Eishockey mehr Chancen als Schiedsrichterin als als Spielerin habe", so die 24-Jährige, die anfangs von der steirischen Schiedsrichterlegende Peter Gotthard unter die Fittiche genommen wurde.

Wie ihre männlichen Kollegen auch, durchlief sie zunächst sämtliche regionalen und nationalen Nachwuchsligen bis sie vor drei Jahren den Sprung in die Inter-National-League schaffte. Als Angerer Anfang Oktober über den Referee-Manager (Anm.: Online-Besetzungstool der Referees) erfahren hat, dass sie für ein Spiel der Erste Bank Eishockey Liga eingeteilt wurde, dachte sie, dass "das ein Fehler sein muss", doch nach telefonischer Rücksprache wurde der Einsatz bestätigt.

"Natürlich war ich vor meinem ersten Spiel sehr nervös und aufgeregt, doch Lyle Seitz fand genau die richtigen Worte und sagte, dass ich einfach Spaß haben sollte." Es folgten bereits vier weitere Einsätze und auch eine Einladung von Hockey Canada zum Level 5 Trainingscamp für Referees, von dem die Angestellte vor einer Woche zurückkehrte. Level 5 ist die höchste Ausbildungsstufe für Schiedsrichterinnen in Kanada.

Als einzige Frau in einer Männerdomäne fühlt sich Angerer sehr wohl, hat weder mit Kollegen noch mit Spielern Berührungsängste. "Im Gegensatz zum Dameneishockey wird in der Erste Bank Eishockey Liga natürlich in einem viel höheren Tempo gespielt und auch sehr körperbetont. Zu Beginn schauen einige Spieler natürlich etwas entgeistert, doch im Endeffekt ist die Kommunikation zwischen den Spielern und mir gleich wie zwischen zwei Männern. Das merken die Akteure auf dem Eis aber schnell", nimmt sich das erste weibliche Zebra in Österreichs höchster Spielklasse kein Blatt vor den Mund.

Das große Ziel von Bettina Angerer sind die Olympischen Spiele 2018 in Südkorea. Bereits im August wurde die Steirerin vom Internationalen Eishockeyverband zu einem Vorbereitungscamp eingeladen, wo 33 der weltbesten Schiedsrichterinnen auf Herz und Nieren getestet wurden. Unter anderem standen ein Fitnesstest, diverse Eistrainings, Lehrsaaleinheiten und ein Regeltest auf dem Programm. Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass sich die sympathische "Lineswoman" mit weiterhin guten Leistungen in der Erste Bank Eishockey Liga etablieren kann und damit ihrem großen Ziel einen Schritt näher kommt.