100 Jahre Österreichischer Eishockeyverband

Am 14. Jänner 1912 wurde der Österreichische Eishockeyverband in Wien gegründet. Nach einer schwierigen Zeit in den Gründungsjahren konnte sich das "kanadische Eishockey" ab den 1920er Jahren etablieren. Heute zählt der schnellste Mannschaftsspo

2012 ist Eishockey in aller Munde. Vor 100 Jahren war dies in Österreich noch nicht der Fall. Es gab zwar erste Bestrebungen in der Saison 1911/12, Eishockey in das österreichische Staatsgebiet zu bringen, doch erfreute sich hierzulande lange Zeit "Bandy" großer Beleibtheit.

Bandy wird vielerorts als "Winter-Fußball" bezeichnet, da dieser Sport auf einem rechteckigen Feld mit einem Ball anstelle des Pucks gespielt wird. Am 14. und 15. Jänner 1912 war es dann in Österreich aber soweit.

"In den 100 Jahren hat sich in Österreich sehr viel getan", erklärt Dr. Dieter Kalt, der seit 1996 als Präsident des Österreichischen Eishockeyverbandes fungiert. "Wir hatten zahlreiche Weltmeisterschaften und internationale Turniere in unserem Land. Mich persönlich freut es sehr, dass Eishockey zu einem wichtigen Bestandteil in unserer Sportlandschaft und in der Gesellschaft geworden ist."

Gustav Feix und Thomas Müller ließen sich am 15. Jänner 1912 die Satzungen des Vereins "Österreichischer Eishockey-Verband", der tags zuvor eine konstituierende Generalversammlung abhielt, genehmigen. Als erster Präsident war Feix tätig, der sich umgehend um eine Aufnahmen in den Internationalen Eishockeyverband IIHF bemühte. Zwei Monate später war der ÖEHV dann auch schon Mitglied in der Internationalen Vereinigung.

"Als eines unserer ältesten Mitglieder möchten wir dem ÖEHV zu seinem 100-jährigen Jubiläum herzlich gratulieren", wünscht der Internationale Eishockeyverband alles Gute. "Österreich hatte großen Anteil an der Entwicklung des Eishockeysports in Europa. Österreich ist eines der wichtigsten Länder im Eishockey, auf Nationalteam- wie auf Klubebene."

Die erste Teilnahme an einem offiziellen Turnier fand 1913 bei der Europameisterschaft statt, nachdem 1912 trotz des Antretens bei der EM die Spiele wegen der fehlenden IIHF-Mitgliedschaft nicht gewertet wurden. Bei diesen europäischen Titelkämpfen gingen alle drei Partien verloren.

Als erstes offizielles Länderspiel fand  das 4:14 gegen Deutschland am 25. Jänner 1913 den Weg in die Geschichtsbücher. In weiterer Folge, nach den schweren Kriegs- und Folgejahren, setzte sich das "kanadische Eishockey" immer mehr gegen Bandy durch.

In der Saison 1921/22 fand endgültig die Ablöse statt und das Spiel mit der Scheibe war nun auch in Österreich, wie schon in anderen europäischen Ländern zuvor, angekommen. Die Zwischenkriegsjahre waren auch die erfolgreichsten in der österreichischen Eishockeygeschichte.

1927 und 1931 wurde das österreichische Nationalteam Europameister. 1931 gelang dies als bestplatzierte europäische Mannschaft bei der IIHF Weltmeisterschaft in Polen, wo Österreich Rang drei hinter Kanada und USA belegte.

Diesen Erfolg einer Bronzemedaille bei einer WM wiederholte die österreichische Mannschaft kurz nach dem zweiten Weltkrieg. 1947 wurde in Prag nach Siegen über USA, Schweden, Polen, Belgien und Rumänien hinter Gastgeber Tschechoslowakei und Schweden Rang drei erobert. 1949 konnte noch Rang sechs und 1957 Rang sieben erreicht werden.

Danach sollte es solche Höhenflüge nicht mehr geben, bis 1994 in Italien die ÖEHV-Auswahl den achten Platz belegte. Insgesamt hat der ÖEHV mit seinem Senioren-Nationalteam der Herren 60 Mal an IIHF Weltmeisterschaften teilgenommen und fünf Mal als Veranstalter (1967, 1977, 1987, 1996 und 2005) fungiert.

Für Olympische Winterspiele qualifizierte sich Österreich zwölf Mal und hatte mit dem fünften Rang bei der ersten Teilnahme 1928 in der Schweiz sein bestes Resultat.

Bei den Olympischen Spielen in Innsbruck gab es die Plätze acht (1976) und 13 (1964). Von 13. bis 22. Jänner 2012 ist die Olympische Flamme ein drittes Mal in Tirol zu Gast, wenn die 1. Olympischen Jugend-Winterspiele abgehalten werden.

Aber nicht nur die Herren konnten Erfolge feiern, sondern auch die anderen Divisionen im ÖEHV, die sich im Laufe der Jahre entwickelten, können auf eine gute Entwicklung zurückblicken.

1978 wurde erstmals eine Sommereishockeyschule ins Leben gerufen, die bis heute unter dem Namen "Hockeycamps" Bestehen hat. 1996 wurde InLine-Hockey offiziell in den ÖEHV aufgenommen, fünf Jahre später folgte die Sparte Dameneishockey.

Hier sorgten vor wenigen Tagen die Mädchen der U18-Nationalmannschaft für Furore, nachdem bei der Weltmeisterschaft in Norwegen erstmals eine U18 des ÖEHV unter die besten zehn Nationen der Welt kam.

"Dieser jüngste Erfolg zeigt, dass wir auch im Dameneishockey einen großen Fortschritt in den letzten Jahren gemacht haben", freut sich auch Präsident Dr. Kalt über die erfolgreichen Mädchen. "Hier sind wir so nah an der Weltspitze dran wie in den Anfangsjahren unseres Sports bei den Herren."

Da Stillstand im Sport keine guten Ergebnisse produziert, ist der Österreichische Eishockeyverband sehr darum bemüht, in Zukunft eine noch professionellere Non-Profit-Organisation zu werden. Der Wandel in der Struktur des ÖEHV, der im letzten Jahr gestartet wurde, soll nach der ausführlichen Analyse durch die Firma Contrast Management Consulting schon in den kommenden Monaten umgesetzt werden.

"Eine Feier zu unserem Jubiläum haben wir ebenfalls angedacht. Da aber bis Ende April Olympische Jugendspiele, Weltmeisterschaften und nationale Titelkämpfe ausgetragen werden und Priorität genießen, haben wir uns entschieden, erst später im Jahr ein Fest zu veranstalten", erklärt Präsident Dr. Kalt.