Gedanken über eine Strukturveränderung

Sportorganisationen und -verbände sehen sich zukünftig großen Herausforderungen gegenüber. Der Österreichische Eishockeyverband plant daher gemeinsam mit einer Consulting-Firma seine Strukturen zu überarbeiten und das österreichische Eishockey auf gesunde

Auf einer Pressekonferenz am Rande der 75. IIHF Weltmeisterschaft in Kosice verkündete Dr. Dieter Kalt, Präsident des Österreichischen Eishockeyverbandes, die geplante Zusammenarbeit des ÖEHV mit einer österreichischen Consulting-Firma, die sich über mögliche Strukturveränderungen Gedanken machen wird.

Dr. Dieter Kalt:

"Anlässlich der letzten Generalversammlung in Villach habe ich unsere Mitglieder informiert, dass der ÖEHV darüber nachdenkt, Strukturen, die bis vor kurzem durchaus ihre Berechtigung hatten, einer Veränderung zu unterziehen.

Wobei ich glaube, dass generell Sportorganisationen und -verbände - sofern sie es noch nicht getan haben - darüber werden nachdenken müssen, ob ihre bisherigen Strukturen noch den derzeitigen und möglicherweise noch künftig zu erwartenden Anforderungen entsprechen.

Da es sich dabei durchaus um Veränderungen handeln könnte, die in einer Generalversammlung beschlossen werden müssten, habe ich mir in Villach von der Generalversammlung die Genehmigung erteilen lassen, in dieser Richtung eventuell notwendige Schritte einzuleiten.

Mit der Information an die Presse habe ich ganz bewusst zugewartet, weil ich die Anwesenheit der österreichischen Journalisten bei einer Weltmeisterschaft dafür nützen wollte, um Sie nunmehr von den geplanten und teils schon in die Wege geleiteten Schritten zu informieren.

Unabhängig vom doch auch für mich etwas überraschend klaren Resultat im letzten Spiel der Vorrunde gegen Norwegen, welches ich beim bestem Willen nicht als optimal bezeichnen kann, habe ich gestern im Beisein unseres Generalsekretärs Christian Hartl mit einer österreichischen Consulting-Firma, die umfangreiche Erfahrung in der Arbeit mit Vereinen und Verbänden, speziell auch im sportlichen Bereich, hat, Kontakt aufgenommen, um unsere Absicht eine Strukturveränderung herbeizuführen auch Realität werden zu lassen.

Diese Consulting-Firma soll vorerst einmal unsere Strukturen erfassen und auflisten, dann eine Evaluierung vornehmen und den Verband letztlich neu den heutigen Anforderungen einer Non-Profit-Organisation gerecht werdenden Struktur vorschlagen.

In dieser beratenden Funktion haben wir mit der Consulting-Firma gemeinsam vereinbart, zur Zeit noch keinen Namen zu nennen, um die künftige Tätigkeit dieses Unternehmens in ihrer unabhängigen Erfassung des Ist-Zustandes in keiner wie immer gearteten Weise zu beeinflussen bzw. deren Tätigkeit zu beeinträchtigen.

Wie ich schon erwähnt habe, glaube ich, dass sich Sportorganisationen und -verbände bestimmten Fragen nicht werden entziehen können. Ich hoffe jedenfalls, dass es hier dem Österreichischen Eishockeyverband gelingt, am Ende des Tages neu positioniert im Rahmen der Sportverbände dazustehen.

Die von mir nunmehr anzuführenden Punkte sind natürlich keine taxative Aufzählung von Fragen, die auf uns zukommen, sondern nur ein Hinweis meinerseits bzw. ein Hinweis des ÖEHV, welche Ziele wir dabei verfolgen wollen:

1) Was wollen wir als Verband erreichen? Es wird eine Definition klarer und nachvollziehbarer sportlicher und wirtschaftlicher Ziele erforderlich sein.

2) Was wollen wir künftig aktiv tun und was nicht? Mit anderen Worten: Eine klare strategische Ausrichtung.

3) Was wurde mit den bisher aufgewendeten und eingesetzten Mitteln erreicht? Sind wir in der Lage einen dazugehörigen eventuellen Erfolgsnachweis zu erbringen und worin ist dieser gelegen?

4) Um die zu definierenden Ziele erreichen zu können, wird eine Optimierung von internen Strukturen und Abläufen erforderlich sein. Was müssen wir tun, um uns hiefür organisatorisch richtig aufzustellen?

5) Eine nicht unwesentliche Frage, die auf den ÖEHV zukommt, wird sein: Was müssen wir aktiv tun, um einerseits künftig Mittel zu generieren und andererseits die möglicherweise veränderten auf uns zukommenden gestellten Aufgaben erfüllen zu können?

Dabei stellt sich hier die Zusatzfrage: Woher kommen eigentlich die nötigen Mittel?

Natürlich wissen wir derzeit anhand unseres Budgets, aus welchen Titeln wir Geld für unser Budget erhalten. Ich bin aber sehr interessiert, nunmehr die Sichtweise eines Außenstehenden dazu zu erfahren. Es kann ja durchaus sein, dass man bei Zuordnungen zu bestimmten Budgetpunkten aufgrund der jahrelangen Tätigkeit ein bisschen betriebsblind wird.

6) Dies sind nur einige Beispiele, die ich jetzt hier anführen möchte.

Nachdem es in den letzten Jahren sehr schwierig geworden ist, Gemeinschaftsinteressen des Eishockeysports durchzusetzen, haben wir eben im Vorstand den Beschluss gefasst, diesen Weg der Erneuerung zu gehen. Vielleicht führt es letztlich dazu, diese etwas verlorene Gemeinsamkeit im Interesse des österreichischen Eishockeysports wieder zu finden.

Wir wollen unserer Jugend, speziell unseren Sport näher bringen, wir wollen zur körperlichen und geistigen Weiterentwicklung unserer Jugend beitragen und damit auch den Sport als wichtigen Bestandteil unserer Gesellschaft in Erinnerung rufen.

Ich erlaube mir auch hier den Hinweis, der da und dort gerne vergessen wird, dass der Sport in seiner Gesamtheit für unser Leben einen gesundheitspolitischen Beitrag leistet, der sich eigentlich sehen lassen kann.

Es ist mir schon klar, dass selbst für eine Beraterfirma die Antworten auf einige dieser Fragen nicht so leicht zu finden sein werden. Ob die gefundenen Antworten dann auch genug sein werden, um in eine neue Struktur Eingang zu finden, wird sich erst zeigen und kann erst dann beantwortet werden, wenn das Gesamtkonzept der Strukturveränderung auf dem Tisch liegt.

Die geplante Evaluierung soll die Basis für die Beantwortung dieser und anderer Fragen sein und die nachhaltige und zukunftsorientierte Weiterentwicklung des österreichischen Eishockeys und des Verbandes ermöglichen.

Wenn diese neuen Strukturen vorliegen, sollen dann gemeinsam mit allen relevanten Gruppen, die das Eishockey in Österreich mitentwickeln, umsetzbare Lösungen erarbeitet werden.

Letztlich geht es geht darum, den österreichischen Eishockeysport nachhaltig zu positionieren, das heißt sportlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich weiter zu entwickeln. Die dafür notwendigen Schritte auf inhaltlicher und organisatorischer Ebene sind dann - wie ich bereits erwähnt habe - konsequent und lösungsorientiert umzusetzen.

Abschließend bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit, danke ich, dass Sie gekommen sind und bei aller Objektivität bitte ich Sie nicht zu vergessen, dass es im Sport immer ein Auf und Ab gibt und dass manche Ursachen nicht nur bei denen liegen, die diesen Sport ausüben, sondern - und da schließt sich der ÖEHV nicht aus - oft schon wesentlich früher gemacht werden."