Bader über seine neuen Aufgaben

Sportdirektor und Head Coach Roger Bader über seine neuen Aufgaben und die langfristigen Ziele.

Seit Ende Mai ist Roger Bader mehr als nur ÖEHV-Teamchef. Der Schweizer, dessen Vertrag um zwei Jahre verlängert wurde, fungiert auch als Sportdirektor des ÖEHV und leitet somit alle sportlichen Aktivitäten des Eishockey-Verbandes.

Neben dem nächsten sportlichen Ziel, dem Klassenerhalt bei der A-WM kommendes Jahr in Dänemark, geht es dem 52-Jährigen um die langfristige Entwicklung des ÖEHV. "In den letzten Jahren haben wir große Fortschritte gemacht, aber trotzdem fehlt uns noch einiges", sagt Bader. Wo er den Hebel ansetzen will, verrät er im Interview mit Bernd Freimüller.

ROGER BADER ÜBER...

...seine neue Rolle im Verband und seinen Aufgabenbereich: Ich bin seit Sommer Sportdirektor des ÖEHV sowie der Head Coach des Senioren-Nationalteams. Als Sportdirektor habe ich die Oberaufsicht über alle sportlichen Aktivitäten des Verbandes, vom Nachwuchsbereich bis zum Nationalteam. Der Vertrag läuft über zwei Jahre, kann aber von beiden Seiten um eine weitere Saison verlängert werden.

...seine Erfahrungen und Beiträge in den letzten drei Jahren: Ich habe, so glaube ich, geholfen, die Nachwuchsprogramme, die Alpo Suhonen schon zwei Jahre vor meinem Amtseintritt eingeführt hat, zu beschleunigen. Dazu gehören mehr und bessere Nationalteam-Lehrgänge. Ich habe auch versucht, eine durchgängige Spielweise von der U16 bis zur U20 vorzugeben. In Zusammenarbeit mit den Auswahltrainern habe ich versucht, die Einberufungen transparenter als früher zu gestalten. Ich sehe mich weniger als Philosoph, als als Umsetzer. Alpo hat die Lage vor fünf Jahren richtig analysiert, ich habe es als meine Aufgabe gesehen, die Lösungsvorschläge auf das Eis zu bringen.

...die Defizite des österreichischen Eishockeys gegenüber den Spitzennationen: Ich vergleiche das immer mit der Schweiz im Jahre 1994, als Peter Zahner im Verband das Ruder übernommen hat. Es fehlte auch dort damals an Quantität in den Lehrgängen. Man hat sukzessive die Dauer und Frequenz der Zusammenzüge der einzelnen Nationalteams gesteigert. Das hat natürlich schon die Qualität angehoben, nach einiger Zeit hat man dann auch im Spielbetrieb stärkere Gegner bekommen. Diesen Prozess hat man in Österreich natürlich wesentlich später angestoßen, Alpo ist ja erst seit 2012 beim Verband engagiert gewesen. Aber in den letzten Jahren haben wir große Fortschritte gemacht und spielen jetzt auch vermehrt gegen stärkere Teams wie eben die Schweiz, Lettland oder Dänemark. Aber trotzdem fehlt uns noch einiges – wir haben etwa kein eigenes U17-Nationalteam, was bei allen guten Nationen eine Selbstverständlichkeit ist.

...einen Rückstand von 18 Jahren in der Entwicklung von Österreich gegenüber der Schweiz: Das ist mir zu populistisch, es ist ja auch in diesen 18 Jahren hier etwas weitergegangen. Aber trotzdem muss man festhalten, dass 1996 die Nationalteams der Schweiz und Österreich noch auf einer Stufe waren, seit damals ist die Schere bei den Senioren und im Nachwuchs auseinandergegangen. Als Argument höre ich dabei oft, dass die Schweiz einfach mehr Geld hat. Das stimmt auch vom heutigen Standpunkt, aber diese Gelder sind erst nach und nach geflossen. Mehr sportliche Erfolge im Nachwuchs erschlossen mehr Sponsorgelder, diese Kette hält bis heute an. Wir haben dazu im Vergleich sicher keine 18 Jahre Rückstand, aber natürlich sind wir auch heute weit davon entfernt. Durch die Einstellung von Alpo wurde der Fall einmal gebremst.

...die Entwicklung der Nachwuchs-Nationalteams in den nächsten Jahren: Ich hoffe, dass wir uns unter den ersten zwölf Nationen etablieren können. Da im Nachwuchsbereich die A-Gruppe nur zehn Teams umfasst, würde das einen Spitzenplatz im B-Bereich bedeuten. Bei der U20 sind wir jetzt längere Zeit nicht mehr in Abstiegsgefahr gewesen, allerdings könnte das heuer eine Herausforderung werden. Bei der U18 wollen und sollen wir wieder in die B-Gruppe zurückkehren und uns dort wie mit der U20 etablieren. Ich weiß, das ist nicht leicht umzusetzen, aber nur über bessere Nachwuchs-Nationalteams können wir auch im Seniorenbereich besser dastehen.

...die Rolle des Sportdirektors und seinen Einfluss bei den Nachwuchs-Nationalteams: Ich versuche natürlich, bei allen Maßnahmen dabei zu sein, so wie jetzt gerade bei den Sommerlehrgängen der U16 bis U20-Teams, wo ich auch mit auf dem Eis war. Wir haben regelmäßige Meetings und tauschen uns über die Teams aus. Die Bestellung der Kader obliegt aber natürlich den Coaches und deren Mitarbeiterstäben. Er kann meine Meinung zu Rate ziehen, aber ich werde ihn bei Streitfragen sicher nicht überstimmen.

...die lang- und kurzfristigen Ziele als Coach des Nationalteams: Natürlich setzen wir alles daran, den Klassenerhalt zu schaffen. Aber man muss natürlich wissen, dass in den letzten neun Jahren die Absteiger postwendend immer wieder abgestiegen sind. Trotzdem kommt einmal ein Team, das diese Serie brechen wird, ich hoffe, das sind wir. Aber selbst im Falle des Klassenerhalts sind wir nicht automatisch eine A-Nation. Das ist für mich etwa Dänemark, das auch nicht viel mehr Spieler als Österreich hat, aber definitiv zu den Top-12-Teams der Welt gehört. Langfristig geht der Fokus bei uns dahin, dass wir uns innerhalb der nächsten drei Jahre so entwickeln, dass wir uns dann für die Olympischen Spiele qualifizieren können.

...die Quantität in der Spielerauswahl - Stichwort Dänemark: Ich habe bei meinem Amtsantritt im November viele neue Spieler nominiert, der Kandidatenkreis hat sich seit damals sicher vergrößert. Ich glaube schon, dass wir genügend Spielerauswahl haben. Nicht so wie bei den Topnationen natürlich, aber durchaus mit Dänemark und Norwegen vergleichbar.

...die Unterschiede in der Vorbereitung von einer B-WM auf eine A-WM: Statt vier Wochen können wir uns sechs Wochen vorbereiten und statt vier Testspielen werden wir acht bestreiten. Bei diesem Mehraufwand orientieren wir uns einfach an bestehenden A-Nationen wie Frankreich, die auch diese Testspiele bestreiten.

...die Entwicklung in der EBEL bezüglich einheimischer Spieler: Grundsätzlich mache ich mir nur über etwas Gedanken, das ich beeinflussen kann. Die Entwicklung in der Liga kann ich eben nicht beeinflussen. Ich kann nur hoffen, dass meine Kandidaten bei ihren Teams viel Eiszeit bekommen – das erhöht ihre Chancen auf eine WM-Teilnahme. Bei einigen Teams sieht es hier besser aus, bei anderen nicht ganz so.

...und einheimischer Trainer: Ich glaube, dass es immer mehr und besser ausgebildete österreichische Coaches gibt. Es braucht natürlich Mut, einen jungen Coach das Vertrauen zu geben, aber im Fußball gibt es mit Julian Nagelsmann in Hoffenheim das beste Beispiel. Mit der staatlichen Ausbildung, den Coaching-Clinics sowie dem Mentoring-Programm haben wir die Trainerausbildung so umfassend wie noch nie gestaltet. Ich weiß auch aus meiner Zeit, dass die Arbeit mit den Nationalteams diesen Leuten dann sehr viel Erfahrung für den Klubbereich bringt. Es wäre uns schon viel geholfen, wenn alle österreichischen Teams wenigstens den Posten des Assistenztrainers mit einem Einheimischen besetzen würden.

...die Ziele für das österreichische Eishockey in den nächsten drei Jahren: Das hängt davon ab, welche Projekte wir noch umsetzen können. Um hier aus den Nähkästchen zu plaudern: Dazu gehören etwa ein Torhüter/Verteidiger-Camp sowie die angesprochene Installierung eines U17-Nationalteams. Das kostet Geld, aber je mehr dieser Ideen umgesetzt werden können, desto größer ist die Chance, dass wir unsere angestrebten Ziele schaffen. Wie gesagt – die Olympiaqualifikation im Seniorenbereich sowie das Annähern an die Top-12-Teams im Nachwuchs sind hier die angestrebten Ziele.