Nach Zittersieg im Semifinale

Lange Zeit sah es bei der InLine-Hockey-Weltmeisterschaft in Tschechien gegen Neuseeland nach einem recht entspannten Arbeitstag für das österreichische Nationalteam aus. Doch das allzu sorglose Spiel gepaart mit verhängnisvollen Abwehrschnitzern führten

Dabei hatte alles ganz locker begonnen: Denn nur 18 Sekunden nach Spielbeginn klingelte es bereits erstmals im Kasten der Neuseeländer. Gregor Baumgartner hatte sich rechts durchgetankt und vollendete mit einem präzisen Schuss ins kurze Kreuzeck.

Nach 2:23 Minuten durften die Österreicher schon wieder jubeln, diesmal sorgte eine Kombination der Draschkowitz-Brüder für das 2:0. Und als nach 2:59 Minuten Robert Dorazil nach schönem Pass von Marco Quinz bereits den dritten Treffer scorte, stand eigentlich nur mehr die Höhe des heutigen Sieges zur Diskussion.

Doch meist kommt es anders, als man denkt. So nahm man im Lager der Österreicher den Anschlusstreffer der Neuseeländer nach etwas rund einer Minute im zweiten Viertel mehr als lästige Ergebniskorrektur denn als wirkliche Bedrohung zur Kenntnis.

Und auch das 3:2 wenig später fiel in diese Kategorie, zumal Mario Altmann nach schöner Kombination mit seinen Sturm-Kumpanen Josi Riener und Gregor Baumgartner rasch mit dem 4:2 zurückschlagen konnte.

Doch auch diesmal blieben die Neuseeländer dran und scorten wenig später das 4:3, was aber von den Österreichern postwendend mit dem 5:3 durch Axel Riegler und dem 6:3 durch Lukas Draschkowitz beantwortet wurde. So konnte man mit einem komfortablen Dreitore-Vorsprung in die Hauptpause rollen.

Der blieb auch nach dem dritten Viertel erhalten, weil die Kiwis zwar nach Unkonzentriertheiten in der österreichischen Hintermannschaft gleich nach 14 Sekunden den abermaligen Anschluss schafften, sich das Team von Coach Jürgen Leibig aber mit dem 7:4 von Axel Riegler - zumindest vorerst - weiteres Kopfweh ersparte.

Und als nach 3:30 Minuten im Schlussviertel dann Routinier Robert Dorazil erstmals einen Viertore-Vorsprung für seine Mannschaft herausschießen konnte, war das Spiel aus Sicht der Österreicher fast schon erfolgreich abzuhaken.

Was sich in weiterer Folge aber als fataler Irrtum erweisen sollte: Denn die Neuseeländer setzten plötzlich ungeahnte Kräfte frei und profitierten dabei auch massiv vom weiter recht sorglosen Umgang von Baumgartner, Riener und Co. mit der eigenen Defensive.

So hieß es 20 Sekunden später 8:5 und weitere 20 Sekunden später sogar 8:6. Mit dem 9:6 nach 6:30 Minuten durch Thomas Weißensteiner nach schöner Passstafette mit Andre Niec und Marco Quinz verschaffte sich das Team eine Verschnaufpause, die aber nur kurz währte: Denn mit dem 9:7 und dem 9:8 spielten sich die Neuseeländer in einen wahren Spielrausch, der sie zwei Minuten vor Schluss dann sogar noch zum Ausgleich führte.

Dass die Overtime aus Sicht der Österreicher dann schlussendlich doch noch zu einem versöhnlichen Ende fand und nur exakt 26 Sekunden dauerte, war einer perfekten Kombination von Alt und Jung im Team zu verdanken: Rechts tankte sich Junior Marco Quinz durch, sein Zuspiel fand in Baumgartner einen dankbaren Abnehmer.

Der sichtlich gezeichnete Coach Leibig freute sich nach dem Spiel zwar über den Sieg, der Österreich damit ins Semifinale führte, weiß aber um das Verbesserungspotenzial vor allem im Defensivverhalten: "Uns nächster Gegner werden voraussichtlich die Ungarn sein. Wenn wir in diesem Spiel unser Tor nicht besser absichern, brauchen wir über einen Finaleinzug gar nicht erst nachzudenken."

Österreich - Neuseeland 10:9 n.V. (3:0,3:3,1:1,2:5/1:0)
Tore: Baumgartner (2), Dorazil (2), Lukas Draschkowitz (2), Riegler (2), Altmann, Weißensteiner bzw. Trevena-Brown (3), Taiapa-Skinnon Jensen (2), Novakvervoort (2), Taiapa-Skinnon Lewis, Lawrence

Gruppeneinteilung und Spielplan: http://www.eishockey.at/inline-hockey/nationalteam/